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Tom Schönauer

Tom Schoenauer und Carl Friedrich Schroer im Gespräch - Dir-Cut 1
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Der Ursprung des künstlerischen Schaffens von Thomas Schönauer liegt in der Geistes- und Sprachwissenschaft, insbesondere aber der Philosophie. Einer seiner Studienschwerpunkte war der Existenzialismus, eine Strömung, die von vielen Gelehrten als die philosophische Strömung unseres Zeitalters betrachtet wird. Sie rückt das menschliche Dasein, eben die Existenz, in den Mittelpunkt. Ziel dieser Denkweise ist, laut Karl Jaspers, die Selbstwerdung des Menschen, d.h. die Erkennung seiner Möglichkeiten und seiner Position innerhalb der Schöpfung.
Das geisteswissenschaftliche Studium sensibilisierte den Künstler für eine philosophisch orientierte Lebenshaltung. Es förderte die intellektuelle Wahrnehmung und schuf die Basis für einen Reifeprozeß hin zur Kunst. Letztendlich wurde die Wahrnehmung selbst zum zentralen Thema Schönauers. Die Visualisierung von Subjektivität und Objektivität, also die Bestimmung des menschlichen Standpunktes, wurde zu einer Grundlage seiner Arbeit. ...
Um sein Studium an der Heinrich-Heine-Universität zu finanzieren, arbeitete Schönauer als Assistent im Atelier des Bildhauers Friedrich Werthmann. Dort erlernte er die Grundlagen der Metallverarbeitung und die sensible Umsetzung in künstlerische Produkte. Zwei Semester an der Hochschule für Kunst und Design in Winnipeg, Kanada, gaben dem Werdegang des jungen Kreativen neue Impulse. Hier wurde er in die akademische Seite der Kunst eingeführt. ...
1978 gründete Schönauer mit dem Bildhauer Michael Langer sein erstes Atelier in Düsseldorf. Hier begann sein selbständiges Schaffen. Seit Beginn seiner Karriere arbeitet er mit Metall, einem Werkstoff, dem er bis heute treu geblieben ist. ...
(Auszug aus: Ursula Lytton, ct. cum tempore; in: Thomas Schönauer, Vom Himmel gefallen, 2009)


FARBE UND SKULPTUR

Farbe repräsentiert Dynamik, Lebendigkeit. Farbe unterstreicht die Form oder konterkariert sie. Farbe evoziert Stimmungen und Emotionen, wie uns die moderne Farbpsychologie lehrt. Farbe vermag die Qualität einer Skulptur hervorzuheben, ihre Form zu unterstreichen, ihre Teile zu akzentuieren. ...
Im Zusammenhang mit Farbe lassen sich seit einiger Zeit Innovationen im mannigfachen OEuvre des Bildhauers Thomas Schönauer aufzeigen. Diese Veränderungen tragen den Rezipienten auf eine neue Ebene der Wahrnehmung seiner Arbeiten. Zum einen haben Schönauers tonnenschwere Stahlskulpturen (vorläufig?) Abschied genommen von ihrer Erdbezogenheit und scheinen vom Himmel („skyfalls“) zu fallen. Zuletzt weckten die „atompops“-Plastiken Assoziationen mit überirdischen Sphären. Zum anderen gehört parallel zu dieser Dimensionserweiterung der Einsatz applizierter Farbe. ...
Bislang hielten Schönauers Farbapplikationen stets die Balance zur Skulptur. Sie übernahmen keine dominierende Rolle gegenüber der Form. Einzelvolumina der Skulptur wurden durch den Einsatz von Farbe isoliert, Massivität in mehrgliedrige organische Teile gegliedert, Bodenhaftigkeit aufgelöst, Bewegung akzentuiert. Mehrheitlich vermittelt die Technik des Farbauftrages seiner in den letzten Jahren entstandenen Bildwerke aus der Ferne zunächst eine vermeintlich dichte Farbschicht. Erst bei Annäherung offenbart sich eine Transluzenz, die den Skulpturen eine Materialsichtigkeit belässt und ihnen zugleich ein „Innenleben“ zugesteht, eine Art verborgene, aber zugängliche Seele.

Bei den Plastiken "Seven Pillars" (2006, gemeinsam mit Michael Burges am Radisson SAS Media Harbour Hotel in der Hammerstraße im Düsseldorfer Medienhafen) beispielsweise verleiht die applizierte Farbe dem tragenden Untergrund eine Oberfläche, die das Trägermaterial stark zur Zurückhaltung drängt. Die Lackfarbe evoziert dabei einen Schwebeeffekt, der unter Lichteinwirkung besonders deutlich in Erscheinung tritt. Schönauers anscheinend schwerelosen Skulpturen gehen eine enge Verbindung mit der Atmosphäre ein, sie spiegeln den Himmelszustand wider, schillern, glitzern in der Sonne und variieren ständig ihre Oberfläche: Vermeintlich monochrom, sprechen sie zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten eine überraschende, chamäleonoide Sprache: Regentropfen verharren auf lackierter Fläche und verändern die Rezeption geradeso wie ziehende Wolken. Reflexe spiegeln sich fragmentarisch und frakturiert ("Refuge 8", Dubai 2008). Die Skulpturen sind nicht zuletzt auch auf Grund ihrer Beweglichkeit "lebende" Wesen. Sie reagieren, variieren und reflektieren ihre Umgebung. ...

Seit 2006 entstand eine Reihe von Objektbildern. Die Serien "space paintings on steel" (2005) sowie die neueren "ct-Paintings" (2008) sind deutlich mehr Malerei als Skulptur. Als zugleich malender Stahlplastiker interessiert Schönauer nicht der Farbstoff per se als Träger einer Chromie oder eines Farbgeschehens. In seinen Bildern sind Spannung und Perspektive stets andere. Seine "steel paintings" zeigen kaum räumliche Präsenz, die "ct-paintings" dagegen eine faszinierende Tiefenwirkung. Sie bestehen aus der farbapplizierten Bildfläche auf einem industriell hergestellten Edelstahlelement als Träger. Sie nehmen zur Wand eher wenig Bezug. Vielmehr treten sie aus ihrer Zweidimensionalität heraus, sind in bewusstem Abstand zur Wand gestaltet. Sie treten auf den Betrachter zu, drängen nach vorn in den Raum. Gleichzeitig verharren sie in ihrer Selbständigkeit als Fläche. Die Farbe selbst, die Formation des Farbauftrages, die fließende, bisweilen rhythmische Farbverteilung, übernimmt die Gliederung der Bildfläche. Es entwickelt sich schließlich eine Räumlichkeit dieser Objektbilder, die dem realen Raum entfliehen und eine Gegenwelt schaffen.
Für die "ct-paintings" verwendet Schönauer ausschließlich die Grundfarben Rot, Blau und Gelb, dazu die Nichtbuntfarben Schwarz und Weiß. Dabei gelingt ihm - basierend auf naturwissenschaftlichem, künstlerisch-ästhetischem und psychologischem Wissen um die Farbentheorie - fast jeder Farbton durch exakte Farbmischung. Schönauer experimentiert immer wieder mit unterschiedlichen Techniken und verwendet mittlerweile eine hochkomplexe Maltechnik. ...
Schönauers Objektbilder lassen einen Tropf- bzw. Gießvorgang des unterschiedlich viskosen Malmaterials nachlesen. Der langsam auf dem Edelstahlblechträger erstarrte Acryllack ruft insbesondere bei den "steel-paintings" Assoziationen an Organisches hervor. Die "ct-paintings" hingegen, bei denen die Farbpigmente auf dem Trägermaterial physikalisch weitgehend voneinander getrennt bleiben und dadurch Raumtiefe erzeugen, präsentieren Formationen mit morphologischen und topographischen Assoziationen. Erinnerungen an Satellitenaufnahmen aus dem All oder endoskopische Aufnahmen aus dem Inneren eines Menschen stellen sich ein. Mal glaubt man das Aufblühen einer roten Blume im Zeitraffer als explosionsähnliche Momentaufnahme zu erkennen, mal das Dahingurgeln eines klaren hellblauen Baches, mal einen grünen Landstrich mit Flusslauf aus der Vogelperspektive.

Chronologisch gesehen, gehört die von Schönauer mit seinen Objekt-Bildern gewonnene experimentelle Erfahrung, was den Erstarrungsprozess des Farbmaterials anbelangt, auch zum Erscheinungsbild seiner aktuellen "atompops"-Skulpturen (2008/2009). In ihnen fand Schönauer wiederum zu neuer Ausdrucksform: Wo bislang scheinbar präzise Formen bei Annäherung mit ausgeklügelter Abweichung überraschten, präsentieren sich nun veritable, hochglänzende Edelstahlkugeln statuarisch aufeinander getürmt. Als Manifestationsform für Farbmaterial irritieren sie die Wahrnehmung nicht im Geringsten. Irritierend ist, dass bei einigen von ihnen das applizierte Epoxydharz-Gemisch konform mit der Aufwärtsbewegung der Skulptur aber kontrovers zur Schwerkraft erhärtet ist. Schönauer bedient sich hier nochmals einer größeren Materialsichtigkeit, diesmal mit Spiegeleffekten. Eine Seelen-Innenansicht, wie bereits oben etwa für "Refuge" angesprochen, lassen die "atom-pops" nicht zu. Sie bilden virtuelle Raumausschnitte ab, nehmen die Außenwelt bewusst auf und spiegeln sie in konvexer Perspektive.

(Auszüge aus: Barbara Schildt-Specker, Farbe und Skulptur; in: Thomas Schönauer, Vom Himmel gefallen, 2009)

 
 
Haupt-Quelle: http://www.cultrd.tv/
 
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