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Tom Schönauer

Tom Schönauer - Experimental - RechteHalleBoulePiano Trailer 3
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Die "Atompops" ... sind ein Symbol des menschlichen Denkens, der Vernetzung aller Dinge, des Laufs der Zeit und der universalen Ordnung. Die Kugeln gelten nicht als bloße Form, sondern als Sinnbild und Initiator geistiger Aktivität.
Die Atompops setzen sich aus polierten, silbern glänzenden Edelstahlkugeln zusammen. Ihre Anordnung ist scheinbar willkürlich und asymmetrisch. Die Kugeln spiegeln sich ineinander und erzeugen in der Reflektion neue, virtuelle Räume. Aber nicht nur das: Sie sind per se in sich geschlossen und autark. Sie stehen sowohl als Symbol eines einzelnen, isolierten Elements mit einem definitiven Innen- und Außenleben, als auch als Teil eines großen Ganzen. Dies wird durch die hochglänzende Silberfläche betont, die das Bild der Außenwelt reflektiert und sie damit wieder zu einem Teil ihrer selbst macht.
Die räumliche Dimension der Kugel wird durch die zeitliche mit der Applikation von Farbe ergänzt. Dabei wird die Farbe nicht systematisch aufgetragen, sondern in einem Prozeß des gesteuerten Zufalls über die Kugeln gegossen. Die Farbe symbolisiert den Fluß der Zeit und ihre Wirkung auf die Materie.

Die "Space Paintings on Steel" sind der Beginn der dreidimensionalen Darstellung auf ebener Fläche. Dieser Arbeitsbereich entstand aus der Idee, von der 2-Dimensionalität beispielsweise der Tusch- und Aquarellzeichnung zu einer Objekthaftigkeit und Drei-Dimensionalität zu gelangen. Da Papier die Farbe aufsaugt und deshalb für dieses Konzept ungeeignet ist, entschied sich der Künstler für das ihm vertraute Material, nämlich den Stahl. Dieser bietet der Flüssigkeit lediglich eine Basis und erlaubt dem nassen Farbauftrag die Bildung einer reliefartigen Struktur. In den Space Paintings werden quasi verschiedene Ebenen eines Skulpturenensembles wiedergegeben: Ansicht, Grundriß und Aufsicht.

In den "CT-Paintings", den Computer-Tomography-Paintings, verdichtet Schönauer diese Technik und setzt das Thema Materialität und Immaterialität fort. Diese Technik wurde über viele Jahre in Kooperation mit einem Industrielackproduzenten entwickelt. Vereint wird in dieser Serie ein langwieriger Entwicklungsprozeß mit einer geradezu improvisatorisch anmutenden Malweise. Der kreative Akt ist kurz, basiert jedoch auf intensiver Vorarbeit und eingehender mentaler Konzeption. Er kulminiert in einem Augenblick äußerster Konzentration.
Und führt das Thema Materialität und Immaterialität aus der Bildhauerei fort.
Zur Verwendung kommen lediglich fünf Grundfarben: Weiß, Gelb, Rot, Blau und Schwarz. Als Flüssigpigmente werden sie einem Muttergebinde aus Epoxydharz und Quarzsand beigegeben. Nach der Applikation der Farbkomposition auf die Stahlplatte setzt ein organischer Prozeß ein: Die Farben arbeiten eigenständig. Sie laufen aus- und ineinander, reagieren aufeinander, verändern ihren Ton, unterdrücken das ein oder andere Pigment oder setzen es frei. In dieser Osmose werden Linien zu einer Fläche und Flächen verbinden sich zu Landschaften. Die Reliefhaftigkeit ergibt sich sowohl durch die Schichtung des Materials als auch durch die Farben selbst. Die CT-Paintings sind ein Studienobjekt klassischer Farbtheorie. Sie zeigen das Verhalten der fünf Grundtöne, ja sie lassen sogar mitunter ihr unterschiedliches spezifisches Gewicht erkennen. Allein aufgrund ihrer inhärenten Qualität erzeugen die Farben einen räumlichen Eindruck. Selbst auf gleicher Ebene treten Gelb und Rot optisch stets in den Vordergrund, wogegen blaue und dunkle Töne in den Hintergrund weichen. Die Tiefenräumlichkeit ergibt sich aus der unterschiedlichen Wirkung der einzelnen Nuancen.
(Auszug aus: Ursula Lytton, ct. cum tempore; in: Thomas Schönauer, Vom Himmel gefallen, 2009)

 
 
Haupt-Quelle: http://www.cultrd.tv/
 
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