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K21

K21 - Intensif-Station 3 Reinhard Mucha - Katharina Fritsch - Monica Bonvicini
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Reinhard Mucha *1950 | Das Deutschlandgerät 1990/2002
Zur Eröffnung von K21 im April 2002 hat Reinhard Mucha sein Werk „Das Deutschlandgerät“ in den rekonstruierten Plenarsaal des ehemaligen Parlaments eingefügt und weiterentwickelt. Konzipiert war das Werk ursprünglich für den Mittelraum des Deutschen Pavillons der 44. Biennale von Venedig, auf der Reinhard Mucha 1990 gemeinsam mit den Photografen Bernd und Hilla Becher die Bundesrepublik Deutschland vertrat.
Zu entdecken ist eine sorgfältig gefügte architektonische und skulpturale Konstruktion, die den örtlichen Raum und seine Bedeutung paraphrasiert und gestaltet und in Größen, Formen, Materialien und Bildern auf andere konkrete Orte und Ideen verweist. Ausstellungsraum und Objekte sind mit größter konzeptioneller und formaler Präzision verwirklicht und aufeinander bezogen. In der Mitte kann eine Kammer betreten werden, deren Grundriß und Maßstab den Gegebenheiten von Muchas Düsseldorfer Atelier entspricht und deren Innenwände mit 27 Vitrinenkonstruktionen besetzt sind. In diese Wandskulpturen ist der gesamte jeweils in Teilstücke aufgeschnittene Fußboden aus dem Atelier des Künstlers eingearbeitet und bildhaft in die Senkrechte gestellt. Jedes Stück zeigt Lebens- und Arbeitsspuren und versperrt den Blick in die Tiefe der Vitrine. Neben den Spuren einer Individualgeschichte dokumentiert dieser „Boden der Tatsachen“ ebenso Industriegeschichte wie das Gebäude, aus dem er stammt, denn es war ursprünglich Sitz der „Düsseldorfer Eisenbahnbedarf AG“. Analog hierzu entspricht die Außenhülle dieser Kammer dem Travertinboden des Deutschen Pavillons. Die an mehreren Stellen dem Werk 2002 hinzugefügten Videomonitore zeigen Photodokumente, die solche Verweise ebenso wie die formale Verschränkung des Werkes mit der Architektur des deutschen Länderpavillons verdeutlichen. Gleiches gilt für die dokumentarischen Querverweise zu den von Bernd und Hilla Becher in Venedig gezeigten Werken innerhalb der insgesamt 13 verschiedenen Animationen.
An den Wänden rund um die Zelle sind 38 weitere Vitrinen angebracht. Sie zeigen und bewahren jeweils eine gefundene Fußbank - jede einzelne eine ironische Bemerkung zum Portikus und zur Architektur des Pavillons insgesamt - und ihren Bronzeabguss in einer prekären Balance. Die roh belassenen Güsse erinnern bei näherer Betrachtung an schwerindustrielle Prozesse, an Kohle und Stahl, eine für Deutschland und insbesondere NRW signifikante Anspielung. Die vom Künstler geschaffene Vitrine als Instrument pathetischer Überhöhung, die dem hehren Anlass einer solchen Präsentation zu entsprechen scheint, ist eine Rahmenform, die zur Betrachtung des Unscheinbaren einlädt und dabei selbst zum Objekt der Betrachtung wird. Ihr Glas spiegelt den Museumsraum und den Betrachter, mit ihrer Tiefe suggeriert und reflektiert sie Situation und Funktion des Museums als Ort visueller Wahrnehmung und historischen Gedächtnisspeicher. In dieser Konstellation sind so Real- und Objekträume, Funktions-, Erinnerungs- und Gedankenräume ineinandergesetzt. Der Titel des Werkes „Das Deutschlandgerät“ ist entlehnt und abgeleitet von einem gleichnamigen Produkt der zum Dortmunder Hoesch-Konzern gehörenden „Maschinenfabrik Deutschland AG“. Die so benannte Spezialvorrichtung ist bis heute weltweit in Gebrauch als hydraulisches Werkzeug mit dem Zweck, besonders schwere Lasten wie ganze Brückenkonstruktionen anzuheben oder entgleiste Schienenfahrzeuge wieder auf die Gleise zu stellen. In der Umbruchzeit nach 1989 war der Titel zudem als Anspielung auf die politische Situation in Deutschland und als ironischer Kommentar auf die symbolische Rolle des deutschen Pavillons auf der Biennale zu verstehen.

Katharina Fritsch *1956 Essen | Mann und Maus 1991)1992
Verschiedenartige innere Bilder, die aus der Kindheit stammen können, die etwas Gesehenes oder Geträumtes widerspiegeln sowie individuelle Eindrücke und Erfahrungen beschreiben, bilden die Grundlage aller Arbeiten von Katharina Fritsch. Bei „Mann und Maus“ ist es die Erfahrung eines Albtraums. Die Skulptur scheint exakt den Moment vor dem plötzlichen Aufschrecken aus einem Traum zu zeigen, in dem der Albdruck fast den Atem abschnürt. Die Erzeugung solcher allgemeingültiger, klarer Bilder, die Kraft und Bedeutung besitzen, ist das Ziel der künstlerischen Tätigkeit. Dabei legt die Künstlerin besonderen Wert auf die Bereiche des Privaten und des Allgemeinen, des Subjektiven und des Kollektiven und versucht ihre Bilder als Prototyp für die verschiedenen Facetten des menschlichen Daseins und Empfindens anzulegen.

Monica Bonvicini *1965 Venedig | Scale of Things (to come) 2010-08-26
„Scale of Things (to come)“ ist eine betretbare Installation, den dem Besuchern einen Blick aus ungewohnter Höhe auf den Ausstellungsraum und nach draußen ermöglicht. Monica Bonvicini weist dem Betrachter eine performative Rolle zu, indem sie ihn mit dieser Einladung zum Akteur macht. Zugleich wird der zum Ausstellungsstück und damit seinerseits der Betrachtung preisgegeben. Die Künstlerin untersucht (Geschlechter)Rollen und gesellschaftliche Bedingungen von Machtausübung. Dabei verwendet sie oft Metall, Leder, Nieten, Ketten, Neonröhren und Spiegelglas. Die kalte Hochglanzästhetik und die makellose, minimalistische Formensprache bewirken eine starke und häufig verstörende physische Präsenz der Arbeiten. Sie sind von einer schneidenden Härte, die ihren politischen Anspruch unterstreicht.
Aus: „Intensif-Station“ – 26 Künstlerräume im K21

Lucy Skaer *1975 Cambridge | The Good Ship Bland and Ballast (after Brancusi) 2010
Luca Skaer arbeitet ortsbezogen. Mit der neuen Installation in K21 schafft sie eine Raumsituation, deren fragmentarische, offene Formsprache den Betrachter zu eigenen Assoziationen anregt. Kunsthistorische Einflüsse finden sich neben Vorbildern der Kulturgeschichte – wie etwa die Illustration aus Sebastian Brants Buch „Das Narrenschiff“ (1492). Es spiegelt sich aber auch das Interesse der Künstlerin an ökonomischen Prozessen. Metall, Holz und Papier gehören zu ihren bevorzugten Materialien. Sie untersucht deren Eigenschaften und nutzt sie für Vervielfältigungstechniken. Die 100 Reproduktionen aus Aluminum von Constantin Brancusis „Das Neugeborene“ (1920) werden nur für die Dauer der Ausstellung existieren und danach wieder in den industriellen Kreislauf einfließen, um zu neuen Produkten gegossen zu werden.
Aus: „Intensif-Station“ – 26 Künstlerräume im K21

 
 
Haupt-Quelle: http://www.cultrd.tv/
 
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