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K20

K20 Wiedereröffnung: Sehschule auf höchstem Niveau - Ernst, Kandinsky, Klee, Mondrian, Schwitters, Beckmann, Bacon
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"Atemberaubend, unwiderstehlich, magisch", hießen die drei Eigenschaften, die Werner Schmalenbach von Kunstwerken erwartete. Wenn sie diese Wirkung nicht erreichten, kam für ihn ein Ankauf nicht in Frage. Er lehnt ab. Nun sind das durchaus keine kunsthistorischen Kriterien, keine irgendwie objektivierbaren Qualitätsmaßstäbe. Schmalenbachs manchmal einsame Entscheidungen beruhten allein auf der Wirkung der Bilder - auf ihn, den empfänglichen wie geschulten Sammler, den autokratischen Alleinentscheider und legendären Gründungsdirektor. Und gerade deshalb - was oft genug vergessen wird - konnte das Bilderwunder von Düsseldorf gelingen: Mit dieser radikal subjektiven, auf die besondere visuell-sinnliche Wirkung der Werke gezielte Auswahl, eine Kunstsammlung von Weltrang aufzubauen.

Es ist das große Verdienst von Marion Ackermann im Stammhaus der Kunstsammlung, gegen das fortgesetzte Ausfransen, Verzweigen und Erweitern, Schmalenbachs Hohe Sehschule wieder zu Glanz und Geltung zu bringen. Also völliger Verzicht auf alle zwischenzeitlich angekauften Beuys, Becher, Paik, Baselitz, Lüpertz, Kirkeby, Lassnig, Truell, Förg, Knoebel, Nitsch, Mario Merz, Richter, Wall.
Gerade mal zehn Werke aus 18 Jahren Sammeltätigkeit von Armin Zweite finden Aufnahme in der aktuellen Ackermann-Hängung - ausschließlich solche, die den schmalenbach´schen Kanon nach innen verdichten, Werke von René Magritte, Salvator Dali, Max Ernst, Chaime Soutine, oder Ellsworth Kelly. Ackermann lässt Schmalenbachs Konzept triumphieren. Als Zweite das Haus schon längst verlassen hatte und man sich in Düsseldorf quälend lange um eine Nachfolge bemühte, kam von ihm aus München der Hinweis auf Marion Ackermann.

Damit stellen sich zwei Fragen: Wohin mit dem Rest? Oder: Wie könnte es gelingen, der Kunstsammlung K20 eine ebenbürtige Kunstsammlung K21 an die Seite zu stellen? Bisher fand in Düsseldorf auf diese Frage niemand eine Antwort. Marion Ackermann aber wird sich der Frage nach der Zukunft des K21 noch stellen.

Die zweite Frage zielt auf den Kern der Sammlung selbst: Läßt sich der Kanon der Moderne - von Schmalenbach noch selbstverständlich in “Kunst vor 1945? und “Kunst nach 1945? unterteilt - heute noch vermitteln? Ist 1945 noch der Fixpunkt, um den sich in der Kunst alles dreht? Erst vor dem Hintergrund der politischen Verwerfungen und kulturellen Abstürze des desaströsen 20. Jahrhunderts erhellen sich die Bilder und können selbst die autonomsten Meisterwerke der Sammlung ihre „magische” Wirkung entfalten. Könnte es nicht sein: Je mehr das Datum 1945 verblasst, desto verstaubter wirkt die Düsseldorfer Sammlung? Da hilft dann auch keine Sanierung der vergilbten Deckenbeleuchtung mehr.

Das vor allem könnte die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen sein: Eine Sehschule auf höchstem Niveau und ästhetische Erziehung im Fach Moderne Kunst, eines Kanons, der weltweit immer noch zieht, aber längst angegriffen und obsolet erscheint. In Düsseldorf ist er angefangen bei den Fauves, über die Kubisten, die Surrealisten mit dem Schwerpunkt Max Ernst, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Mondrian, Kurt Schwitters, Max Beckmann, Francis Bacon bis zu den Amerikanern der sechziger und siebziger Jahre mit einer Reihe Meisterwerke präsent, die locker das Doppelte der Baukosten auf dem internationalen Kunstmarkt einspielten. Das alles kreiste freilich um das Zentralmassiv der Sammlung von elf weltberühmten Picasso-Gemälden.
Das allerdings hat Ackermann geschliffen. Nicht mal alle Picassos sind ausgestellt. Selbst absolute Meisterwerke wie Femme au miroir aus dem Jahr 1937 hängen ungünstig und Picassos Deux femmes nues assises von 1920, hat sie längst nicht den Platz eingeräumt, der diesem Gemälde zusteht. Schmalenbach hielt es für das Spitzenbild der Sammlung: Das großartigste überhaupt.

Viel zu unentschieden stellt sich Ackermanns Eröffnungs-Auslese dem Publikum. Die Hierarchien sind durcheinander geraten. Als gäbe es zwischen den absoluten Highlights der Sammlung und weniger zentralen Werken keine Unterschiede. Schmalenbach selbst konnte souverän über die Schwächen seiner Ankäufe sprechen. Hier aber werden Unterschiede verwischt und die Seh-Schüler verunsichert, wenn zum Beispiel ein zweitraniges, eher konventionelles Portrait der Kunsthändlerin Mutter Ey von Otto Dix einen Ehrenplatz einnehmen darf. Das wäre zu verschmerzen. Doch an anderer Stelle gerät die Sammlung aus dem Gefüge.

 
 
Haupt-Quelle: http://www.cultrd.tv/
 
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