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Quadriennale

K20 - Joseph Beuys - Schamane - 25/1981 - Part 6
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Heiliger Gully

Künstler im Umgang mit "Mythos und Ritual" - ein Trend der 70er Jahre wird in Zürich ausgestellt.

Wenn die junge Frau in der Dunkelkammer ihre Vergrößerungen aus dem Fixierbad zieht, dann wird die Laborarbeit zur Beschwörung. Dann scheint sich ein legendäres, volkstümliches Wunder zu wiederholen, und aus dem präparierten Tuch, das die Adeptin anstelle gängigen Photopapiers benutzt, wächst ihr allmählich, wie eine Vision, ein Heilandsbild entgegen.

Eine zeitgenössische Künstlerin zitiert und imitiert so die heilige Veronika, in deren Schweißtuch sich das Antlitz Jesu naturgetreu und unauslöschlich abgedrückt haben soll: Darstellungen dieser "vera ikon" aus der christlichen Malerei überträgt Dorothee von Windheim, 35, schwarzweiß auf Gaze. Zugleich mit dem wunderbar-natürlichen Abbildungsvorgang, den die Legende behauptet, wird der Malakt historischer Künstler gewissermaßen phototechnisch nachvollzogen.

Bildzeichen nicht selber zu erfinden, sondern sie zu sammeln und zu reproduzieren, ist auch ein Kunstprinzip von Nikolaus Lang, 40. Er sucht vorgeschichtliche Steinritzungen in Alpentälern auf sowie vulgäre Graffiti in verlassenen Bauernhäusern, und noch die Fraßspuren, die Insekten an Baumstämmen hinterlassen, sind ihm der Betrachtung und der Überlieferung wert.

Lang und Dorothee von Windheim repräsentieren ein Künstler-Bewußtsein, das auf dem Fundus der Geschichte und Vorgeschichte, ja der Natur zurückgreift, Bestände sichtet und sichert, Erinnerungen aktiviert.

Je deutlicher, etwa seit 1970, einer auf permanenten Fortschritt eingeschworenen Avantgarde die Grenzen ihres Wachstums wurden, um so mehr Gewicht bekamen künstlerische Quellenforschungen, auch solche unter kultischen Aspekten. Im Rückblick ist das ein Leitmerkmal des vergangenen Jahrzehnts: "Mythos und Ritual in der Kunst der 70er Jahre".

 
 
Haupt-Quelle: http://www.cultrd.tv/
 
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