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Jeruville

JeruVille - Markenleuchten 3
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HINTERGRUND DES PROJEKTES

In Düsseldorf leben inzwischen bis zu 40% Menschen mit Migrations- und mit teilweise mehrfachem Integrationshintergrund. Der Ausländeranteil beträgt 16%. Unsere bisherigen Arbeiten mit Jugendlichen in Düsseldorf, wie auch die Arbeit mit Jugendlichen der jüdischen Gemeinde, haben uns gezeigt, dass diese Generation zwischen 15 und 22 in einem sehr veränderten, internationalen, kulturell vermischten Umfeld aufwächst (und dazu natürlich auch noch mit Globalisierung, Technologisierung etc. umgehen muss) und damit mit sehr veränderten Fragen, Hintergründen, Offenheiten und Informationen lebt. Diese gilt es installativ und performativ darzustellen.

DIE JUGENDLICHEN

Wir arbeiten mit unterschiedlichen Jugendlichen mit Migrationshintergrund, verschiedenen Alters, unterschiedlicher sozialer Herkunft. Mazedonisch-muslimischer Roma trifft auf Montessori-Gymnasium/christlich-deutsche-Schauspielertochter, trifft auf jüdischen Breakdancer, trifft auf Mädchen in vierter Ersatzfamilie, trifft auf Musiker, trifft auf serbischen Hip-Hopper, italienische Ballerina, russische Prinzessin, trifft auf Hochthal, Eller, Hellerhof, Bilk etc.
Gerade weil die Jugendlichen so unterschiedliche soziale und kulturelle Hintergründe haben, offenbart die Arbeit immer wieder Konflikte und Reibungspunkte, die neue Begegnungen und immer weiter spannende Auseinandersetzungen schaffen. Die Jugendlichen müssen sich innerhalb einer unkonventionellen Gruppe behaupten, die in ihrer Zusammensetzung inzwischen typisch für das tägliche Stadtbild ist. Es ist ein aktives Begegnen von Vorurteilen, und ein Aufbau einer eigentümlichen, neuen Gruppendynamik, indem sie sich kennen und schätzen lernen, voneinander lernen und sich austauschen. Ohne die eigenen Bezugsgruppen zu verlassen, wird der Fokus geöffnet, die Abgrenzung aufgelöst, ein Verstehen setzt ein, ein gemeinsames Bild entsteht. Spielerisch.

AUSGANGSFRAGEN
Zunächst die Frage nach der Integration. Wie setzt sich diese junge Generation zusammen, wie funktioniert Kommunikation und Begegnung? Wieviel deutsch muss man sein, um Deutscher zu sein - oder geht es inzwischen um das Finden einer viel internationaleren und flexibleren Gruppendynamik/Kultur? Stellt die Herkunft der Jugendlichen und ihre religiösen Wurzeln in irgendeiner Hinsicht ein Hindernis bzw. Unterscheidung dar? Wie unterscheidet sich das, was sie glauben von anderen (anders religiösen oder anders kulturellen) Jugendlichen? Spielt Religion tatsächlich eine Rolle und nimmt sie Einfluss auf ihr Leben oder ist es eher ein kulturell-politischer Hintergrund, der Ansichten und Vorurteile prägt? Und inwieweit spürt man das Fremdsein auch unter scheinbar Gleichen?
Dann die Frage nach der Eigenverantwortlichkeit und Selbständigkeit der Kinder- und Jugendlichen. Die Problematik der Jugendgewalt, Vernachlässigung und Zukunftsangst tritt uns unentwegt in den Medien vor die Augen, es scheint als bliebe immer weniger Zeit für die Kinder und als müssten sie ihre Probleme schon früh alleine lösen. Ist der völlige Entzug einer erwachsenen Autoritätsperson spürbar? Wünscht man sich an bestimmter Stelle einen Rat von dieser Person? Die Frage ist natürlich spannend, ob die Kinder- und Jugendlichen für einander da sein können in einem so komplexen Gebilde. Wer überträgt wem Verantwortung, wie reagiert man bei Überforderung? Was passiert, wenn man sich die Frage stellen muss: Was ist gut für mich? Aber was ist gut für diese Stadt/für die Gemeinschaft? Braucht man Regeln? Gesetze? Wie hält man sie ein?
Besonders spannend wird bei dem Projekt sicherlich zu beobachten sein, wie man mit der Tatsache "Mangel" umgeht, und ob dieser überhaupt eine maßgebliche Rolle spielt. Worauf beruft man sich, wenn nichts da ist, wie weiß man sich zu helfen? Und nicht zuletzt bleibt auch die Frage spannend: Wie platzieren sie diese Stadt? Welche Struktur erhält sie? Was wird wirklich benötigt? Bleibt es eine Festung, ein Schutzraum (wenn es denn ein Schutzraum ist), in den man sich verschließt (gerade in Hinblick auf die Religiösität und die kulturelle Herkunft spannend)oder wie öffnet man diesen Raum. Wie wird er für andere zugänglich und wenn ja, für wen?
Die Interviews/Gespräche wie auch die szenischen Versuche zielen auf eben diese Fragen ab. Man nähert sich zunächst über die städtebauliche Struktur an: Was braucht man überhaupt? Welche Gebäude? Räume für Gemeinschaft? Wohnungen? Strassen? Wege? Einrichtungen? Wie kann die kreative Raumgestaltung aussehen?
Um dann in die Situation zu gehen:
Wie entstehen Vorurteile?
Gelingt das Einleben leicht?
Wie entsteht Gruppendynamik, und von wem geht sie aus?
Wie geht man mit Verantwortung um?
Gibt es Verpflichtungen und wie geht man damit um?
Ist Herkunft wichtig in dieser Stadt?
Ist Glauben wichtig in dieser Stadt?
Muss man bestimmten Regeln folgen?
Was bedeutet Zeit (Stunden/Tage/Monate)?
Gibt es Kultur (Sport, Freizeitmöglichkeiten, Theater, Kino, Bücher)?
Braucht man verschiedene Gotteshäuser?
Was nimmt man von ?Außen" mit, weil man daran gewöhnt ist, weil ein Leben ohne das nicht denkbar ist.
Schafft man tatsächlich den Schritt zu einem unabhängigen Raum?
Wo unterscheidet oder ähnelt er sich im Vergleich zu unserem heutigen gesellschaftlichen Konstrukt?

 
 
Haupt-Quelle: http://www.cultrd.tv/
 
Sek-Quellen:   Quelle 1    
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